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Über Angst und Bildung, Enttäuschung und Gerechtigkeit, Protest und Spaltung in Sachsen / Deutschland

(2016 – fortlaufend)

Über Angst und Bildung, Enttäuschung und Gerechtigkeit, Protest und Spaltung in Sachsen / Deutschland (2016 – fortlaufend) wurde in verschiedenen Filmstudios produziert. Gezeigt werden neun etwa 75minütige durch Fragen gegliederte Einzelgespräche, die miteinander verwoben wurden und in Großaufnahme zu sehen sind. Wir sehen und hören wie ein Unternehmer, ein Aktivist, ein Gewerkschaftler, eine engagierten Bürgerin, eine Bürgermeisterin, ein Konfliktforscher, ein Autor und Psychotherapeut und eine Bildungswissenschaftlerin ihre Erfahrungen und Sicht auf gegenwärtige sozio-politische Zustände schildern und dabei über Standortvorteile, Lohnungleichheiten, Angst, Armut trotz Arbeit/Erwerbsarmut, Fremdenangst und Flüchtlingshilfe, Abwanderung, innerdeutsche Arbeitsmigration, mangelnde politische Bildung, Auswirkungen der Liberalisierung der Arbeitswelt usw. berichten. Die Gesprächspartner beschreiben zudem ihr Engagement, ihr Tätigkeiten und Interessen sowie die Widerstände auf die sie bei der Durchsetzung und Veröffentlichung ihrer Ideen treffen.

– Kirsa Geiser

Leider ist das alles nicht so einfach. Rechts-, Mitte-, Links-Populismus, post-faktisches Zeitalter, gespaltene und manipulierte Gesellschaften – das fühlt sich an wie eine apokalyptische Abwärtsspirale, doch apokalyptische Gefühlslagen helfen nicht. Spaltung hilft nicht. Fakt ist: Was heute manche erschüttert, macht andere heiter und mutig. Wo aufkommende Regierungsformen bei den einen Fluchtinstinkte wecken, sehen sich andere endlich repräsentiert. Wo elaborierter Kritik der Sauerstoff ausgeht, kommen ungehörte Stimmen zu neuem Volumen. Doch verarscht fühlen sich am Ende vielleicht alle. Rechtsruck? Linker Widerstand? Rationalität der Mitte? Verfangen in alten Politik- und Glaubenssystemen, zünden Leute quer durch die mentalen Spektren Konfliktlinien im Gemeinsinn an, die antagonistische Dämonen beschwören.


Mario Pfeifer ist einen anderen Weg gegangen. Er hat neun Personen in Interviews den Raum gegeben zu sprechen. Jeder bekommt die gleichen Fragen gestellt, jeder hat denselben medialen Raum und die gleiche Zeit. Die Personen bleiben anonym, ihre Funktionen werden nicht angegeben, doch schnell wird klar: Die da sprechen, kommen weitgehend aus Sachsen, haben Pegida mitbegründet, sind Gewerkschaftler oder Bürgermeisterin einer Kleinstadt, besorgter Unternehmer oder Islamkritikerin, Psychoanalytiker oder Konfliktforscher. Alles ernsthafte Menschen, die der Kamera ihre nachvollziehbaren Gedanken über die deutsche Gegenwartsgesellschaft mitteilen, Erzählungen über ihre Enttäuschungen und Einsichten, über ihr Engagement und ihre sozialen Hoffnungen. Keine Agitation, kein Populismus, stattdessen Menschen, die konzentriert und in Ruhe reden.

Wie man das findet, was da gesagt wird? Zeigt sich beim Zuhören. Die politische Meinung – nicht immer leicht – ist eine Eigenleistung der Aufmerksamkeit. Betrachten heißt Mitdenken. Neun Stunden lang, face to face. Keine Like-Buttons, keine Twitter-Abkürzung für Ausführungen, die ihre Zeit brauchen, kein schneller Ein- und Ausstieg im Zapping durch (un-)sympathische Weltbilder und Meinungsvorlagen. Mario Pfeifer schafft einen demokratischen Raum aus der Zeit unverkürzter Rede und dem Nacheinander von Perspektiven, die sich hier nicht so einfach polarisieren lassen. Sein Film ist ein Beitrag zur politischen Bildung und Meinungsfindung angesichts sich verschärfender Sprachlosigkeit und Abschottung in einem Moment, da Realitätsbehauptungen brutaler und Dialoge immer irrationaler werden.

Pfeifers Projekt scheint Konsequenzen aus der Beobachtung zu ziehen, dass die Bestrebungen linker Politik und künstlerischer Kritik augenscheinlich immer weniger solidarische Landgewinne zu vermelden haben und schlimmstenfalls gesellschaftliche Aufspaltungsprozesse beschleunigen statt bremsen. Weil sie jenseits der eigenen Lebens- und Glaubensinseln wenig wahr- und ernst nehmen? Weil sie Offenheit und Meinungspluralität behaupten, aber nicht ausbuchstabieren? Weil wir verlernt haben, dass ein Gemeinwesen sich selber zuhören muss, um das ganze Ausmaß seiner inneren Differenzen zu verarbeiten und seine möglichen Brüche zu verstehen?

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© Mario Pfeifer, 4K Video, Stereo, Farbe, 546 min

Gefilmt in Studios in Dresden, Halle / Saale, Bielefeld

 

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© Mario Pfeifer, 4K Video, Stereo, Farbe, 546 min

Gefilmt in Studios in Dresden, Halle / Saale, Bielefeld

 

René Jahn, Mitbegründer und ehemaliger Mitorganisator PEGIDA

Prof. Anja Besand, Bildungswissenschaftlerin TU Dresden

Karin Berndt, Oberbürgermeisterin Seifhennersdorf

Joern Kladen, 1. Gewerkschaftssekretär IG Metall, Dresden

Prof. Wilhelm Heitmeyer, Konflitkforscher, Soziologe, Bielefeld

Dr. Hans-Joachim Maaz, Autor, Psychothreapeut, Halle a.S.

Kerstin Mager-Baran, Tanzlehrerin, Freital bei Dresden

Ulrich Wolf, Journalist, Sächsiche Zeitung, Dresden

Hans-Jürgen Kagerer, Unternehmer, Ottendorf-Okrilla bei Dresden

Protagonisten

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ÜBER ANGST UND BILDUNG, ENTTÄUSCHUNG UND GERECHTIGKEIT, PROTEST UND SPALTUNG IN SACHSEN / DEUTSCHLAND IST IM AUFTRAG VON KIRSA GEISER FÜR MARIO PFEIFERS EINZELAUSSTELLUNG EXPLOSION IN DER GALERIE FÜR ZEITGENÖSSISCHE KUNST IN LEIPZIG (1. OKTOBER 2016 – 8. JANUAR 2017) ENTSTANDEN.

GEFÖRDERT VON DER KULTURSTIFTUNG DES FREISTAATES SACHSEN

 

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ÜBER ANGST UND BILDUNG, ENTTÄUSCHUNG UND GERECHTIGKEIT, PROTEST UND SPALTUNG IN SACHSEN / DEUTSCHLAND IST IM AUFTRAG VON KIRSA GEISER FÜR MARIO PFEIFERS EINZELAUSSTELLUNG EXPLOSION IN DER GALERIE FÜR ZEITGENÖSSISCHE KUNST IN LEIPZIG (1. OKTOBER 2016 – 8. JANUAR 2017) ENTSTANDEN.

GEFÖRDERT VON DER KULTURSTIFTUNG DES FREISTAATES SACHSEN

 

Presserezensionen

Ein Panorama falscher Verhältnisse – Neues Deutschland
Radek Krolczyk über Explosion in der GfZK Leipzig, 29.11.2016

Kultur als Ventil – Sächsische Zeitung
Gastkommentar Perspektive / Gesellschaft – Feuilleton, 28.11.2016

Shocktherapie – Postdamer Neueste Nachrichten
Lena Schneider über Shock Room im Brandenburgischen Kunstverein, 04.11.2016

Näherkommende Einschläge – Leipziger Volkszeitung
Jens Kassner über Explosion in der GfZK Leipzig, 03.11.2016

taz . die tageszeitung
Sarah Alberti über Explosion in der GfZK Leipzig, 24.10.2016

BildungsArt – Mephisto
Miriam Moch über Explosion in der GfZK Leipzig, 13.10.2016

Monopol Magazin, Oktober, 2016
Nation der verlorenen Seelen, by Anne Kohlick

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Ausstellungen

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Ausstellungen

 Ausstellungsansicht GfZK Galerie für Zeitgenössische Kunst | Museum of Contemporary Art Leipzig, 2016

Ausstellungsansicht GfZK Galerie für Zeitgenössische Kunst | Museum of Contemporary Art Leipzig, 2016